Ziel dieses Beitrags ist es, einen einigermaßen sinnvollen Überblick über den Status von Österreichs Online-Nachrichtendiensten der Medienhäuser zu erhalten. Dabei sollen die Dienste nach Möglichkeit so ausgewählt und abgebildet werden, wie der User sie erlebt und auch ansurfen kann. Die von der Österreichischen Web Analyse (ÖWA) vorgenommene Trennung in Einzel- und Dachangebote ist dabei wenig hilfreich, jedenfalls solange nicht, solange die ÖWA nicht verlangt, dass Dachangebote auch alle darin enthaltenen Einzelangebote ausweisen müssen. Wir müssen also zunächst Einzel- und Dachangebote in eine Liste zusammenführen.

Dort, wo die Dachangebote nur geringfügig größer als die Einzelangebote sind, finden sich nur die Dachangebote in der Liste (z.B. Standard oder OÖN).

Dort, wo es Dachangebote gibt, die sich aus mehreren verschiedenen Onlinediensten zusammensetzen, habe ich nur die Einzelangebote aufgenommen – und nicht das aus mehreren Diensten aufaddierte Gesamtangebot.

  • Kurier: Hat neben dem EA auch ein Dachangebot, wo die Futurezone ebenso eingerechnet wird wie Film.at und Events.at. Nachdem diese aber keine Nachrichtendienste sind, tauchen sie in dieser Zusammenstellung auch nicht auf.
  • Heute: Heute hat Netdoktor.at gekauft und rechnet diese Zahlen in sein Dachangebot ein. Auch das ist natürlich kein Nachrichtendienst, bleibt hier also unberücksichtigt.
  • News: Die Verlagsgruppe sammelt unter News Networld alle ihre Medienmarken gemeinsam (News, Profil, Format, Woman, etc.), weist diese aber seit einiger Zeit auch einzeln aus.

Dort, wo nur ein Dachangebot ausgewiesen wird aber nicht die Einzelangebote, aus denen es sich zusammensetzt (eine wesentliche Schwäche der ÖWA, dass so etwas möglich ist), nehme ich das Dachangebot auf. Dies deshalb um zu vermeiden, dass solche Medienhäuser sonst gar nicht in der Liste aufscheinen würden. Nachteil ist dann natürlich: Man hat in diesem Fall keine reinen Nachrichtendienste mehr, sondern Mischangebote.

Dies ist der Fall beim ORF, der all seine Webangebote zusammenrechnet (wo ja auch nicht nachrichtliche Inhalte dazu gehören), sowie Österreich, das mit oe24.at einen Online-Nachrichtendienst betreibt, allerdings auch einen Wetterdienst (wetter.at) oder ein Reisebuchungsportal (joe24.at) in seine Daten hineinrechnet. Bei oe24 lässt sich also aus den Zahlen keine Aussage treffen, wieviele Zugriffe tatsächlich auf den Nachrichtendienst entfallen.

Diese Zusammenstellung ist somit nicht perfekt, allerdings – wenn man sich Österreichs Medienangebote ansieht – immer noch deutlich aussagekräftiger als wenn man die ÖWA-übliche Trennung in Dach- und Einzelangebote strikt beibehält.

 

1. Absolute Werte:

Die erste Grafik zeigt deutlich die absurde Situation in Österreich, wo das Onlineangebot des öffentlich-rechtlichen Rundfunks alle anderen weit überflügelt und damit die Finanzierung der Angebote der Medienhäuser massiv erschwert:

OEWA-2013-Online-Nachrichtendienste 1

 

Um hier eine bessere Aussagekraft zu erreichen, blenden wir den ORF aus und schauen uns das Mittelfeld gewissermaßen im Zoom-Modus an:

OEWA-2013-Online-Nachrichtendienste 2

 

Ein weiteres Mal „zoomen“ müssen wir, wenn wir uns das Segment der kleinsten Onlinedienste anschauen wollen (in der oberen Grafik wäre die nun folgende Grafik 3 rund ein Viertel des allerersten Quadranten beim Nullpunkt):

OEWA-2013-Online-Nachrichtendienste 3

 

Die Daten noch einmal als Tabelle (wenn Sie diese sortieren wollen, klicken Sie einfach auf die Spaltenüberschriften – „PI AT“ = Anteil der Page Impressions aus Österreich in %):

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2. Zuwachsraten:

Werfen wir nun einen Blick auf die Zuwachsraten, um zu sehen, welche Onlinedienste eine besondere Dynamik aufweisen. Besonders aussagekräftig sind die Daten in diesem Fall leider nicht:

  • Bei den kleinen Diensten wie etwa Format, Woman oder Profil lässt sich rasch einmal etwas bewegen, was prozentuell gut aussieht, in absoluten Zahlen allerdings nicht wahnsinnig viel ist. Wenn Format wie hier zu sehen bei den Visits um über 74 Prozent steigt, dann sind das in absoluten Zahlen rund 340.000 Visits. Wenn ORF.at um knapp 10 Prozent steigt, dann entspricht das rund 4,9 Millionen Visits.
  • Die Styria-Portale von Presse, Kleine Zeitung und Wirtschaftsblatt weisen in der ÖWA offiziell keine Veränderungen zu 2012 aus, obwohl es sehr wohl Daten für 2012 gibt – und man diese manuell nachrechnen könnte (Presse: + 32,5 % im Schnitt über alle Werte, Kleine Zeitung – 0,7 %, Wirtschaftsblatt – 1,8 %) .
  • Wichtigster Punkt, der diese Zahlen in ihrer Aussagekraft trübt ist die im Laufe 2013 gestartete Einrechnung der mobilen Angebote in die Gesamtzahlen. Damit können jene Dienste, die mobil gut unterwegs sind und die Einrechnung gleich mit Jahresbeginn begonnen haben, gute Steigerungsraten aufweisen. Prominentestes Beispiel ist derstandard.at. Aber auch das (nicht direkt ausgewiesene) Wachstum der Presse geht primär auf die guten Daten bei den Apps zurück, die 2012 noch nicht in die Gesamtdaten eingerechnet wurden. Jene Dienste, die mobil – also mit Apps und mobil optimierten eigenen Webseiten – nicht sehr erfolgreich sind bzw. die Einrechnung noch nicht begonnen haben, müssen sich mit den eher mager gewordenen Zuwächsen im „stationären Web“ zufrieden geben.
  • Die Mobildaten und ihre Auswirkungen werden wir in den kommenden Tagen in einem eigenen Beitrag noch genauer untersuchen.

 

Nicht von der ÖWA ausgewiesen wird die Spalte „Schnitt“ (der Mittelwert der drei Steigerungsraten für Visits, Page Impressions und Unique Clients). Diese Kennzahl ist aber sinnvoll, will man auf einen Blick die Dynamik erkennen.

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3. Nutzungsintensitäten:

Ganz wesentlich für die Beurteilung der Performance eines Onlinedienstes sind natürlich die Nutzungsintensitäten.

  • Wie oft kommt ein User? (genauer eigentlich: ein Endgerät vulgo Unique Client)
  • Wieviele Seiten werden bei einem Besuch genutzt?
  • Wie lange verweilt der User bei einem Besuch, wie lange auf einer Seite und wie lange nutzt er den Onlinedienst im ganzen Monat?

Die durchschnittlichen Nutzungsintensitäten von Nachrichtendiensten sind generell – auch international – recht schwach und in keiner Weise mit der Nutzung etwa von Printprodukten vergleichbar. Sie sind natürlich Durchschnittswerte aus einem kleinen Kern an Intensivnutzern und einer großen Anzahl an Usern, die etwa durch Links auf Facebook, Google-Suchen oder sonstige Verweise kurz einmal auf einer Nachrichtenseite landen, aber dabei keine weiteren Seiten mehr nutzen und auch nicht mehr wiederkommen (zumindest nicht in einem Monat, der die Basis für die Messungen darstellt).

Wie sich die Nutzungsintensitäten über die Jahre verändert haben, werden wir uns ebenfalls in einem eigenen Beitrag  ansehen. Hier zunächst einmal die Jahresdaten für 2013 – wieder als Punktediagramm, um einen rascheren Überblick zu bekommen, wer die stark genutzten Dienste sind:

OEWA-2013-Online-Nachrichtendienste Nutzungsintensitäten

 

Manche Dienste – insbesondere die weniger häufig aktualisierten – werden im Schnitt nicht einmal zweimal pro Monat besucht. Das Mittelfeld wird im Schnitt von einem Unique Client zwischen 3 und 4 x besucht. Die Spitzenwerte liefern ORF und Vorarlberg Online mit knapp 8 Besuchen pro Monat und UC:

OEWA-2013-Online-Nachrichtendienste Visits je Unique Client

 

Aus der Usetime je Visit und den durchschnittlichen Visits pro Monat kann man sich dann die Zeit ausrechnen, die ein Unique Client pro Monat mit einem Onlinedienst verbringt. Die Ergebnisse sind relativ bescheiden und entsprechen im Schnitt von der Größenordnung grob jener Zeit, die ein Leser an einem einzigen Tag mit einer gedruckten Zeitung verbringt:

OEWA-2013-Online-Nachrichtendienste Usetime pro Monat

 

Aus der Zeit, die ein User einer Seite widmet, lassen sich meist Schlüsse auf die Qualität des Angebots ziehen. Je geringer dieser Wert, desto wahrscheinlicher ist es, dass hier „Klickschinderei“ betrieben wird; je höher der Wert, desto intensiver befasst sich ein User mit den Inhalten auf dieser Seite:

OEWA-2013-Online-Nachrichtendienste Usetime pro Page Impression

 

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